
Seit September 2011 führt Philipp Hofstetter seinen eigenen kleinen Concept Store in Berlin-Kreuzberg, nur ein paar Blocks von meinem Zuhause entfernt. Philipp ist der erste! Frisör, bei dem ich mich zu Hundertprozent gut aufgehoben fühle und der nicht statt einem Zentimeter gleich drei absäbelt. Als ich Philipp das erste Mal im September in seinem neuen Salon ‘Glamoury’ in der Gneisenaustraße 58 traf war es in Berlin noch sommerlich warm und der große Balkon der Altbau-Wohnung im ersten Stock schön grün.
Mit Espresso in der Hand ließ ich mich durch die schönen, hellen Räume führen und erzählte Philipp von meinem Leiden mit diversen Frisören. Er fackelte nicht lang und verpasste mir gleich einen Schnitt und die richtige Haarpflege, die ganz cheesy gesagt: mein Leben veränderte. Seit jenem Tag bin ich zu 95 Prozent happy mit meinem Haar und gab ihm im Februar sogar die Erlaubnis zum erstmaligen Färben seit 4 Jahren. (Er war derjenige, der mir Ombre Hair verpasste.) Warum? ‘Du bist so eine coole Frau mit einem coolen Job, du brauchst ein bisschen Leben auf deinem Kopf.’








Wer hat Dir bei Glamoury geholfen? Wie lang hat es vom Konzept bis zur Eröffnung gedauert? Und woher hast Du die tollen Möbel?
Eigentlich ging alles recht schnell - innerhalb von einem Monat habe ich zusammen mit den Kreuzberger Architekten von „Huelle und Fuelle“ alles entworfen und aufgebaut. Am 1. September war dann schon die offizielle Eröffnung und am 6. Oktober die Eröffnungsfeier. Dann konnten wir loslegen. Für die Einrichtung habe ich mir nur gewünscht, dass alles auf Rollen ist, was geht und nichts an den Wänden hängt, damit man auch alles schnell umstellen kann. Denn man weiß ja nie so recht, was alles in einem Jahr passiert und dann hat man vielleicht für den einen Raum eine neue Idee oder irgendein Produkt wird besser angenommen als das andere oder man braucht plötzlich eine Spiegelwand oder man schiebt für eine Veranstaltung einfach alles weg.
Wann kam Dir die Idee zu einem eigenen Laden? Warum gerade in Kreuzberg?
Die Idee für einen eigenen Laden ist mir schon länger im Kopf rumgeschwirrt. Nur wusste ich nicht, ob es das Richtige ist. Nach 7 langen, schönen Jahren als Store- Manager bei Udo Walz habe ich mich dann doch dazu entschlossen, etwas eigenes zu machen - in Kreuzberg. Ich liebe Kreuzberg - ich glaube, ich könnte in keinem anderen Bezirk wohnen.
Abgesehen davon, kenne ich hier auch noch keinen exklusiven Frisör und deshalb dachte ich mir, dass es gut passen könnte. Die Mieten steigen ja immer mehr und es verändert sich alles sehr stark im Moment. Es eröffnen immer mehr nette Restaurants und Boutiquen, Agenturen ziehen her. Das macht schon Sinn.
Ich hab mich auch ganz bewusst dafür entschieden den Laden im ersten Stock zu machen und nicht auf der Straße. Ich habe viele VIP-Kunden, die nicht gerne in einen Salon kommen wollen, zu denen musste ich dann öfters nach Hause oder ins Hotel fahren und da mochte ich die Atmosphäre immer sehr. Hier im Laden fühlt sich das auch ein wenig so an. Ich wollte vorrangig etwas Persönliches und Gemütliches schaffen, aber auch nicht zu persönlich mit einer Lounge oder so. Ich hatte sogar schon einen Kunden da, der fragte: Soll ich die Schuhe ausziehen?
Ich denke der Trend geht sowieso eher wieder dahin, dass man alles etwas privater und persönlich gestaltet. Sei es nun das Soho-House oder ein anderer Privatclub. Es hat einfach eine andere Wertschätzung.
Möchtest Du noch mehr Leute bei Glamoury einstellen?
Im Moment will ich den Laden gerne noch alleine führen. Ich kann mir das gerade nicht so gut vorstellen, dass hier fünf Leute oder sogar mehr arbeiten. Ich schneide generell nur nach Termin, daher kann ich das gut timen.
Wer kommt zu Dir und lässt sich verschönern?
Meine Zielgruppe ist eher ein bisschen älter. Aber zu mir kommen Frauen wie Männer, die Waage hält sich da recht gut. Ich konnte viel von meiner Stammkundschaft mitnehmen. Die sind begeistert von dem Ganzen hier.
Wie schneidest Du Haare? Hast Du Dir über die Jahre eine bestimmte Technik angeeignet?
Haareschneiden ist für mich wie malen. Man braucht zum Haareschneiden ein Gesicht und einen Charakter und muss die Person auch erst ein bisschen kennenlernen. Ich schneide nicht einfach drauf los, sondern schau zunächst wie die Person so drauf ist. Ich fang‘ auch nicht an die Haare nach einem bestimmten Muster abzuschnippeln. Es gibt sicher Kunden die das so genau so wünschen und denen meine Art nicht so gefällt und die sagen: Oh, nee, wie der Philipp schneidet, das gefällt mir nicht so. Aber bei den meisten Kunden hatte ich doch immer Erfolg damit.
Ich schau mir als erstes die Haare von jedem Kunden im trockenen Zustand an, lerne sie kennen, wie sie fallen und sich verhalten, dann wasche und föhne ich sie. Und erst dann schneide ich sie ab. Wobei ich sagen muss, dass ich auch eher visuell schneide. Dieses technische Schneiden à la ich-halte-die-Haare-im-90-Grad-Winkel-von-der-Kopfhaut-weg-und-schneide-dann-alles-stumpf-ab und dann muss ich erst nochmal stundenlang alles ausarbeiten ist nicht mein Fall. Es gibt auch ein paar Sachen, die ich einer Kundin nie antun würde - eine Dauerwelle zum Beispiel.
Mit welchen Produkten arbeitest Du bei Glamoury? Und was war Dir bei der Wahl besonders wichtig?
Besonders viel Wert legte ich bei der Gründung von Glamoury auf die Wahl der Produkte. Ich habe eigentlich nur drei Brands im Angebot. Einmal Codezero, eine Firma mit vielen pflanzlichen Inhaltsstoffen und wenig Ammoniak. Die brauche ich als Firma für Haarfarben, die etwas konventioneller sind. Ich muss ab und zu leider ein paar Produkte benutzen, die im Fall die Haare auch mal vier Töne heller färben können und das geht eben nur mit ein bisschen Chemie und nicht mit Naturhaarfarben.
Kevin Murphy find ich auch genial. Ich mochte die Produkte allein schon vom Geruch und sie sind glücklicherweise auf ökologischer Basis. Das sind tatsächlich auch die ersten Pflege-und Stylingprodukte, die ich getestet habe, die wirklich halten, was sie versprechen. Und die Verpackungen sind auch sehr schön anzusehen und praktisch.
A4 Cosmetics kannte ich anfangs nur von The Corner und Michalsky. Das ist eine ökologische Pflege auf Arganöl-Basis, sehr hochwertig und reichhaltig. Die Produkte sind sehr sanft, funktionieren gut und werden uns mittlerweile aus den Händen gerissen. Wir müssen ständig nachordern.
Eigentlich sind bei allen Brands, die ich führe, die Serien sehr klein gehalten, was ich auch sinnvoller finde. Kein Mensch braucht fünf Cremes am Tag. Ich mag Basics, die gut funktionieren. Es gibt von A4 ein Mousse, Tonic, Peeling, Serum und Red-Carpet Serum für einen wunderschönen Glow, eine Gesichts- und Bodycream und natürlich einen ganz tollen Lippenbalsam. Und diese Produkte benutze ich auch selbst. Sonst nix.
Bei Glamoury sieht man auch Möbel und Kleider. Woher kommen die?
Zu unseren Beauty-Produkten haben wir auch ganz neu ein paar Klamotten von verschiedenen Berliner Designern im Laden. Frida Weyer zum Beispiel und Paul Davis, ein ganz toller Herrendesigner. Und ein paar andere Labels haben auch schon angefragt, ob sie hier ausstellen dürfen. Vom Klassikerfundus in der Dieffenbachstraße bekomme ich auch wechselnd immer eine Ausstellung an Möbeln, die auch verkauft werden können.
Zu Philipp:
Eigentlich wollte ich mal Kommunikationsdesign studieren, aber nach dem Abi habe ich schnell gemerkt, dass ich arbeiten muss und ich nicht mehr den ganzen Tag lernen will. Dann hatte ich überlegt eine Gesangsausbildung in Mannheim an der Pop Academy zu machen, das hat dann aber leider auch nicht geklappt und dann ist irgendwie nichts mehr übrig geblieben.
Meine Mama meinte dann zu mir: Mach doch eine Frisörausbildung! Und da ich schon immer vielen Freunden und Zuhause meiner Familie die Haare geschnitten habe, hat sich das so ergeben. Erst war ich noch skeptisch, da ich aus einer so kleinen Stadt komme, aber dann wollte ich es doch wagen. Aber eben gleich richtig und nicht bei Salon Uschi. Und so kam ich zu Udo Walz..und später zu meinem eigenen Store.
Photos: Marlen Mueller